Lustige Weihnachtsgedichte

Lustige Weihnachtsgedichte

Weihnachtsgedichte müssen nicht immer »besinnlich« sein. Es gibt eine Reihe lustiger Verse, die eher leicht als ernst daherkommen. Sie laden zum Schmunzeln einladen. Klassiker wie »Der Bratapfel« gehören ebenso in diese Kategorie wie einfache Kinderreime.


Weihnachtliche Gedichte zum Schmunzeln

Der Stern

Hätt einer auch fast mehr Verstand
Als wie die drei Weisen aus Morgenland
Und ließe sich dünken, er wär wohl nie
Dem Sternlein nachgereist wie sie;
Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
Seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
Fällt auch auf sein verständig Gesicht,
Er mag es merken oder nicht,
Ein freundlicher Strahl
Des Wundersternes von dazumal.
Wilhelm Busch

Christkindbriefe

Im Advent, da fliegen Engel,
sie fliegen hin und her,
sie sammeln Christkindbriefe
und Wunschzettel noch mehr.
So kommt so mancher Engel
vom Himmel dürr daher,
fliegt mit Briefen vollgeplustert
zurück wie’n fetter Teddybär.
Nur schad’, wenn mancher Engel
so ’n Christkindbrief verliert,
weil’s drin im Engelskleide
den Wünschen zu eng wird.
Solcher Wunschbrief flattert
zurück auf unsere Welt,
und ’s Christkind ist verdattert
weil ’s keinen Wunsch erhält.
So schweben dann vom Himmel
Wunschbriefe von oben her,
es ist gar ein Gewimmel
als ob es Schneefall wär’.
Auch ’s Christkind sieht die Briefe
die fallen erdenwärts,
doch ’s Christkind liest auch Wünsche
aus jedem Kinderherz!
Josef Albert Stöckl (1823-1895)

Der Bratapfel

Kinder, kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört, wie's knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
der Zipfel, der Zapfel,
der Kipfel, der Kapfel,
der gelbrote Apfel.

Kinder, lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
für den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den goldbraunen Apfel!

Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken
den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den knusprigen Apfel.
Volksgut
»Der Bratapfel« gehört zu den beliebtesten Weihnachtsgedichten. Klein und Groß haben ihren Spaß an den lustigen Wortschöpfungen wie »Zipfel« und »Zapfel« oder »Kipfel« und »Kapfel«. Das Gedicht spricht alle Sinne an: Wenn man es hört oder liest, läuft einem schon das Wasser im Mund zusammen. Fast kann man den unvergleichlichen Bratapfel-Duft schnuppern, die knusprig-schrumpelige Schale und das süße Fruchtfleisch schmecken. An einem Adventssonntag im Kreis der Familie sind gefüllte Bratäpfel ein richtiger Schmaus.

Advent, Advent

Advent, Advent,
ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei,
dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür.

Und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast du Weihnachten verpennt.
Volksgut
Diese kurze und einfache Gedicht eignet sich schon für sehr kleine Kinder. Sie lernen es schnell und werden es mit vor Aufregung roten Backen unterm Weihnachtsbaum aufsagen.
Lieber, guter Weihnachtsmann,
zieh die langen Stiefel an,
kämme deinen weißen Bart,
mach' dich auf die Weihnachtsfahrt.

Komm' doch auch in unser Haus,
packe die Geschenke aus.
Ach, erst das Sprüchlein wolltest du?
Ja, ich kann es – hör mal zu:

Lieber, guter Weihnachtsmann

Lieber, guter Weihnachtsmann,
guck mich nicht so böse an.
Stecke deine Rute ein,
ich will auch immer artig sein!
Volksgut
Der bekannte Weihnachtsspruch richtet sich an den »lieben, guten Weihnachtsmann«. Wer Lust und gute Ideen hat, kann eine oder mehrere Strophen hinzufügen. Oder man macht an einem Adventssonntag ein Spiel daraus und dichtet mit der ganzen Familie um die Wette. Viel Spaß dabei!

Lieber guter Weihnachtsmann

Lieber guter Weihnachtsmann,
schenk mir einen Kuchenmann,
nicht zu groß und nicht zu klein,
ich will auch immer artig sein.

Gibst du mir einen kleinen,
fang ich an zu weinen!
Volksgut
Mit diesem Spruch wünscht sich ein Kind einen Kuchenmann. In manchen Gegenden Deutschlands kennt man das Gebildbrot auch als Weckmann, Stutenkerl, Klausenmann oder Krampus. Es besteht aus einem süßen Hefeteig mit Rosinen als Augen. Manchmal kommt der Stutenkerl oder Krampus auch mit einer kleinen Tonpfeife daher.

Am Nikolausabend

Nikolaus, Nikolaus, lieber Mann,
klopf an unsre Türe an!
Wir sind brav, drum bitteschön,
lass den Stecken draußen steh’n!

Nikolaus, Nikolaus, huckepack,
schenk uns was aus deinem Sack!
Schüttle deine Sachen aus,
gute Kinder sind im Haus!
Volksgut
Diese einfachen Verse lernen auch Kindergartenkinder schnell auswendig. Ein Gedicht vorzutragen erfüllt schon die Kleinsten mit Stolz und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Schenken

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen,
Wenn die Bedachten die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.
Schenke herzlich und frei,
Schenke dabei was in dir wohnt.
An Meinung, Geschmack und Humor,
Sodass die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist ohne List,
Sei eingedenk, dass dein Geschenk
Du selber bist.
Joachim Ringelnatz (1883-1934)
Dieses leichtfüßige Gedicht vom Schenken passt zu vielen Gelegenheiten – und natürlich auch zu Weihnachten. Vielleicht ergibt sich daraus eine Diskussion über den Sinn oder Unsinn von Geschenken. Auf jeden Fall kann man es als eine Art Anleitung lesen. Nur allzu ernst sollte man es nicht nehmen. Das hätte der augenzwinkernde Ringelnatz vermutlich nicht gewollt.

Der Tannenbaum

Juchheissassa, juchheissa!
Wir bringen ihn gebracht
Den Christbaum, den Tannenbaum
Der Alles lustig macht! –

Du armer, armer Tannenbaum,
wie war dir draußen weh!
Du strecktest deine Arme aus
Und trugst doch nichts als Schnee! –

So sag’ uns doch, du schmucker Baum,
Was wirst du morgen tragen! –
Hoho! So darf man Narren wohl,
Doch keinen Christbaum fragen. –

Juchheissassa, juchheissa!
Wie ist der Schnee so weiß,
Wie grün ist doch der Tannenbaum!
Der weiß schon, was er weiß! – –
Robert Reinick (1805-1852)
Der Maler und Dichter Robert Reinick war bekannt mit Joseph von Eichendorff, dem Lyriker der deutschen Romantik. »Der Tannenbaum« stammt aus Reinicks Gedichtzyklus »Der Jahreslauf im Kinderleben«. Für jeden Monat findet sich dort ein passendes Gedicht: Im Dezember handelt es vom Christbaum im Wald. Die letzte Zeile gibt uns Rätsel auf: Was mag der Tannenbaum wohl wissen…

Winternacht

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum…
Und es war einmal eine Flocke,
die fiel dazu wie im Traum…

Die fiel dazu wie im Traum…
Die sank so leis hernieder,
wie ein Stück Engleingefieder
aus dem silbernen Sternenraum.

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum…
Und dazu fiel eine Flocke,
so leis als wie ein Traum…

So leis als wie ein Traum…
Und als vieltausend gefallen leis,
da war die ganze Erde weiß,
als wie von Engleinflaum.

Da war die ganze Erde weiß,
als wie von Engleinflaum.
Christian Morgenstern (1871-1914)

Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland

Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland,
Sie frugen in jedem Städtchen:
»Wo geht der Weg nach Bethlehem,
Ihr lieben Buben und Mädchen?«

Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,
Die Könige zogen weiter,
Sie folgten einem goldenen Stern,
Der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern blieb stehen über Josefs Haus,
Da sind sie hineingegangen;
Das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,
Die heil'gen Drei Könige sangen.
Heinrich Heine

Nussknacker

Nussknacker, du machst ein grimmig Gesicht —
Ich aber, ich fürchte vor dir mich nicht:
Ich weiß, du meinst es gut mit mir,
Drum bring ich meine Nüsse dir.

Ich weiß, du bist ein Meister im Knacken:
Du kannst mit deinen dicken Backen
Gar hübsch die harten Nüsse packen
Und weißt sie vortrefflich aufzuknacken.

Nußknacker, drum bitt ich ich, bitt ich dich,
Hast bessere Zähn als ich, Zähn als ich,
O knacke nur, knacke nur immerzu!
Ich will dir zu Ehren
Die Kerne verzehren.

O knacke nur, knack knack knack! immerzu!
Ei, welch ein braver Kerl bist du!
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Dezember 1858
Aus der Ferne
diesen Wunsch:
Glückliche Sterne
und guten Punsch!
Theodor Fontane
1861
Der Weihnachtsmann zieht um das Haus
und lacht die bösen Kinder aus.
Denn er bringt nur ganz geschwind
Geschenke für das gute Kind.
Volksgut
Eine winzig kleine Laus
saß einst im Bart des Nikolaus.
Sie zwickt ihn hier, sie zwickt ihn dort,
will er sie packen, hüpft sie fort.
Da schimpft der alte Nikolaus
mit dieser frechen kleinen Laus!
Er geht ins Bad, macht schnipp und schnapp,
die Laus erschrickt, der Bart ist ab!!
Unbekannter Verfasser
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