Weihnachtsgedichte für Kinder

Weihnachtsgedichte für Kinder

Das Vorlesen oder Aufsagen von Gedichten ist ein schöner Weihnachtsbrauch. Gedichte vom »Zipfel« und »Zapfel«, dem knusprigen Bratapfel oder von Rainer Maria Rilkes »Flockenherde« im Winterwald stimmen uns auf Weihnachten ein. Sie gehören ebenso zur Vorweihnachtszeit wie Kerzenschein und der Duft nach Spekulatius und Lebkuchen.

Kleine und große Kinder haben Spaß daran, ein Weihnachtsgedicht auswendig zu lernen. Eltern und Großeltern hören an einem gemütlichen Adventsnachmittag oder am Weihnachtsabend gern zu. Oder sie machen sogar mit… Neurobiologen haben unlängst herausgefunden, dass das Auswendiglernen zum Beispiel von Gedichten das Gehirn länger fit hält. Unter den folgenden Gedichten ist für jeden in der Familie etwas dabei.


Weihnachtsgedichte für Kindergartenkinder und jüngere Schulkinder

Die folgenden Weihnachtsgedichte eignen sich besonders für Vorschulkinder und jüngere Schulkinder. Sie sind nicht zu lang und einfach zu lernen. Mit dem Aufsagen eines Gedichts können auch die Jüngsten schon etwas zum Fest beitragen. Sie werden mit Begeisterung und Stolz bei der Sache sein.

Advent, Advent

Advent, Advent,
ein Lichtlein brennt.
Erst eins, dann zwei,
dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür.
Volksgut
Diese kurze und einfache Gedicht eignet sich schon für sehr kleine Kinder. Sie lernen es schnell und werden es mit vor Aufregung roten Backen unterm Weihnachtsbaum aufsagen.

Lieber, guter Weihnachtsmann

Lieber, guter Weihnachtsmann,
zieh die langen Stiefel an,
kämme deinen weißen Bart,
mach' dich auf die Weihnachtsfahrt.

Komm' doch auch in unser Haus,
packe die Geschenke aus.
Ach, erst das Sprüchlein wolltest du?
Ja, ich kann es – hör mal zu:

Lieber, guter Weihnachtsmann,
guck mich nicht so böse an.
Stecke deine Rute ein,
ich will auch immer artig sein!
Volksgut
Ein bekannter Weihnachtsspruch richtet sich an den »lieben, guten Weihnachtsmann«. Wer Lust und gute Ideen hat, kann eine oder mehrere Strophen hinzufügen. Oder man macht an einem Adventssonntag ein Spiel daraus und dichtet mit der ganzen Familie um die Wette. Viel Spaß dabei!

Lieber, guter Weihnachtsmann

Lieber guter Weihnachtsmann,
schenk mir einen Kuchenmann,
nicht zu groß und nicht zu klein,
ich will auch immer artig sein.

Gibst du mir einen kleinen,
fang ich an zu weinen!
Volksgut
Mit diesem Spruch wünscht sich ein Kind einen Kuchenmann. In manchen Gegenden Deutschlands kennt man das Gebildbrot auch als Weckmann, Stutenkerl, Klausenmann oder Krampus. Es besteht aus einem süßen Hefeteig mit Rosinen als Augen. Manchmal kommt der Stutenkerl oder Krampus auch mit einer kleinen Tonpfeife daher.

Der Bratapfel

Kinder, kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört, wie's knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
der Zipfel, der Zapfel,
der Kipfel, der Kapfel,
der gelbrote Apfel.

Kinder, lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
für den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den goldbraunen Apfel!

Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken
den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel,
den knusprigen Apfel.
Volksgut
»Der Bratapfel« gehört zu den beliebtesten Weihnachtsgedichten. Klein und Groß haben ihren Spaß an den lustigen Wortschöpfungen wie »Zipfel« und »Zapfel« oder »Kipfel« und »Kapfel«. Das Gedicht spricht alle Sinne an: Wenn man es hört oder liest, läuft einem schon das Wasser im Mund zusammen. Fast kann man den unvergleichlichen Bratapfel-Duft schnuppern, die knusprig-schrumpelige Schale und das süße Fruchtfleisch schmecken. An einem Adventssonntag im Kreis der Familie sind gefüllte Bratäpfel ein richtiger Schmaus.

Am Nikolausabend

Nikolaus, Nikolaus, lieber Mann,
klopf an unsre Türe an!
Wir sind brav, drum bitteschön,
lass den Stecken draußen steh’n!

Nikolaus, Nikolaus, huckepack,
schenk uns was aus deinem Sack!
Schüttle deine Sachen aus,
gute Kinder sind im Haus!
Volksgut
Diese einfachen Verse lernen auch Kindergartenkinder schnell auswendig. Ein Gedicht vorzutragen erfüllt schon die Kleinsten mit Stolz und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.

Die kleinen Hände taten ihm weh,
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.

Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack -
denkt ihr, er wäre offen der Sack?

Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!
Anna Ritter (1865-1921)
Dies ist das bekannteste (Weihnachts-) Gedicht der deutschen Dichterin und Schriftstellerin Anna Ritter. Das Bild des durchgefrorenen und erschöpften Christkinds ist kindgemäß und weckt Mitgefühl. Der finstere Knecht Ruprecht aus manchen Weihnachtsgeschichten und -gedichten wirkt dagegen oft furchteinflößend.

Dank an Weihnachten

Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen
und wecken Freude in allen Herzen.
Ihr lieben Eltern, in diesen Tagen,
was sollen wir singen, was sollen wir sagen?
Wir wollen euch wünschen zum heiligen Feste
vom Schönen das Schönste, vom Guten das Beste!
Wir wollen euch danken für alle Gaben
und wollen euch immer noch lieber haben.
Gustav Falke (1853-1916)

Christkind im Walde

Christkind kam in den Winterwald,
der Schnee war weiß, der Schnee war kalt.
Doch als das heil'ge Kind erschien,
fing's an, im Winterwald zu blüh'n.

Christkindlein trat zum Apfelbaum,
erweckt ihn aus dem Wintertraum.
»Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart,
schenk Äpfel mir von aller Art!«

Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnet's Äpfel ringsumher;
Christkindleins Taschen wurden schwer.

Die süßen Früchte alle nahm's,
und so zu den Menschen kam's.
Nun, holde Mäulchen, kommt, verzehrt,
was euch Christkindlein hat beschert!
Ernst von Wildenbruch (1845 - 1909)
Die Bilder in diesem Weihnachtsgedicht sind einfach und anrührend, die Reime sind eingängig. Deshalb tun Kinder sich leicht mit dem Auswendiglernen. Zudem erfahren sie von längst vergangenen Zeiten, in denen ein Apfel noch eine besondere Leckerei war.

Weihnachtsgedichte für ältere Kinder

Für das Auswendiglernen der folgenden Gedichte braucht es schon ein wenig Konzentration. Doch größere Schulkinder und Erwachsene jeden Alters haben immer wieder aufs Neue Freude an diesen Weihnachtsgedichten:

Knecht Ruprecht

Von drauß’ vom Walde komm ich her,
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor;
und wie ich so strolcht durch den finstern Tann,
da riefs mich mit heller Stimme an:
»Knecht Ruprecht«, rief es, »alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alt und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
und morgen flieg ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden!«
Ich sprach: »O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.«
»Hast denn das Säcklein auch bei dir?«
Ich sprach: »Das Säcklein, das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.«
»Hast denn die Rute auch bei dir?«
Ich sprach: »Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.«
Christkindlein sprach: »So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!«
Von drauß’ vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find!
Sinds gute Kind, sinds böse Kind?
Theodor Storm (1817-1888)
Knecht Ruprechts Begegnung mit dem Christkind, erzählt von dem norddeutschen Dichter Theodor Storm, ist eins der beliebtesten Weihnachtsgedichte. Kinder wie Erwachsene haben ihre Freude daran.

Nussknacker

Nussknacker, du machst ein grimmig Gesicht —
Ich aber, ich fürchte vor dir mich nicht:
Ich weiß, du meinst es gut mit mir,
Drum bring ich meine Nüsse dir.

Ich weiß, du bist ein Meister im Knacken:
Du kannst mit deinen dicken Backen
Gar hübsch die harten Nüsse packen
Und weißt sie vortrefflich aufzuknacken.

Nußknacker, drum bitt ich ich, bitt ich dich,
Hast bessere Zähn als ich, Zähn als ich,
O knacke nur, knacke nur immerzu!
Ich will dir zu Ehren
Die Kerne verzehren.

O knacke nur, knack knack knack! immerzu!
Ei, welch ein braver Kerl bist du!
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Dezember 1858

Familienweihnacht

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit,
und ein schlichtes Glück streut auf der Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.

Hand schmiegt sich in Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebet durch Seelen und verkündet leise,
dass die kleinste Welt die größte ist.
Joachim Ringelnatz (1883-1934)
Joachim Ringelnatz ist bekannt für seine humorvollen und ironischen Balladen. In diesem Weihnachtsgedicht zeigt der Dichter seine gefühlvolle Seite. Ganz ohne Augenzwinkern beschreibt er glückliche und besinnliche Weihnachten im Familienkreis. Ringelnatz, geboren als Hans Bötticher, hat der winterlichen Jahreszeit viele Gedichte gewidmet, darunter auch witzige und skurrile. Der Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig, hat sie in einem hübschen Band mit dem Titel »Weihnachten mit Joachim Ringelnatz« versammelt.

Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland

Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland,
Sie frugen in jedem Städtchen:
»Wo geht der Weg nach Bethlehem,
Ihr lieben Buben und Mädchen?«

Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,
Die Könige zogen weiter,
Sie folgten einem goldenen Stern,
Der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern blieb stehen über Josefs Haus,
Da sind sie hineingegangen;
Das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,
Die heil'gen Drei Könige sangen.
Heinrich Heine (1797-1856)

Winternacht

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum…
Und es war einmal eine Flocke,
die fiel dazu wie im Traum…

Die fiel dazu wie im Traum…
Die sank so leis hernieder,
wie ein Stück Engleingefieder
aus dem silbernen Sternenraum.

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum…
Und dazu fiel eine Flocke,
so leis als wie ein Traum…

So leis als wie ein Traum…
Und als vieltausend gefallen leis,
da war die ganze Erde weiß,
als wie von Engleinflaum.

Da war die ganze Erde weiß,
als wie von Engleinflaum.
Christian Morgenstern (1871-1914)

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen
– O du gnadenreiche Zeit!
Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Christkind

Die Nacht vor dem heiligen Abend,
Da liegen die Kinder im Traum;
Sie träumen von schönen Sachen
Und von dem Weihnachtsbaum.
Und während sie schlafen und träumen,
Wird es am Himmel klar,
Und durch den Himmel fliegen
Drei Engel wunderbar.
Sie tragen ein holdes Kindlein,
das ist der Heil’ge Christ;
Es ist so fromm und freundlich,
Wie keins auf Erden ist.
Und wie es durch den Himmel
Still über die Häuser fliegt,
Schaut es in jedes Bettchen,
Wo nur ein Kindlein liegt,
Und freut sich über alle,
Die fromm und freundlich sind;
Denn solche liebt von Herzen
Das liebe Himmelskind.
Wird sie auch reich bedenken
Mit Lust aufs allerbest’
Und wird sie schön beschenken
Zum lieben Weihnachtsfest.
Heut schlafen noch die Kinder
Und sehn es nur im Traum,
Doch morgen tanzen und springen
Sie um den Weihnachtsbaum.
Robert Reinick (1805-1852)

Die heilige Nacht

Gesegnet sei die heilige Nacht,
die uns das Licht der Welt gebracht! –
Wohl unterm lieben Himmelszelt
die Hirten lagen auf dem Feld.
Ein Engel Gottes, licht und klar,
mit seinem Gruß tritt auf sie dar.
Vor Angst sie decken ihr Angesicht,
da spricht der Engel: »Fürcht‘ euch nicht!
Ich verkünd' euch große Freud':
Der Heiland ist geboren heut.«
Da geh'n die Hirten hin in Eil,
zu schau'n mit Augen das ewig' Heil;
zu singen dem süßen Gast Willkomm,
zu bringen ihm ein Lämmlein fromm. –
Bald kommen auch gezogen fern
die heil'gen drei König‘ mit ihrem Stern.
Sie knien vor dem Kindlein hold,
schenken ihm Myrrhen, Weihrauch, Gold.
Vom Himmel hoch der Engel Heer
frohlocket: »Gott in der Höh sei Ehr!«
Eduard Mörike (1804-1875)
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