Weihnachten

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich Durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen
– O Du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff war ein großer Dichter der deutschen Romantik. Die Romantiker suchten der Welt der Zahlen und der Vernunft große Gefühle entgegenzusetzen. Sie waren getrieben von Sehnsucht nach Harmonie und Heilung der Welt. Dieses Sehnen passt noch heute besonders in die Weihnachtszeit. Geradezu leidenschaftlich schildert Joseph von Eichendorff hier das »wunderstille« Weihnachtsglück der Kinder und sein eigenes Erschauern in der Weite der Natur.

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich Durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen
– O Du gnadenreiche Zeit!


Alles für perfekte Briefe, E-Mails und Grußkarten.